Der Spiegel 2
Unter die sogenannte SPIEGEL-Affäre, die in den Augen des ehemaligen Bundeskanzlers und damaligen Hamburger Innensenators Helmut Schmidt eigentlich eine Strauß-Affäre (Bönisch, Mascolo, & Wiegrefe, 2012) war, zog das Bundesverfassungsgericht 1966 mit seinem sogenannten SPIEGEL-Urteil einen Schlussstrich (Bundesverfassungsgericht, 1967, S. 174-175):
In der repräsentativen Demokratie steht die Presse als ständiges Verbindungs- und Kontrollorgan zwischen dem Volk und seinen gewählten Vertretern in Parlament und Regierung und dient der politischen Willensbildung. [...] So wichtig die damit der Presse zufallende ‚öffentliche Aufgabe’ ist, so wenig kann diese von der organisierten staatlichen Gewalt erfüllt werden. Presseunternehmen müssen sich im gesellschaftlichen Raum frei bewegen können. Sie arbeiten nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen und in privatwirtschaftlichen Organisationsformen.
Damit waren nicht nur juristisch die Konsequenzen aus dem „ersten massiven Kräftemessen zwischen Staatsgewalt und Massenmedien in der jungen Demokratie“ gezogen (Birkner, 2014, S. 34), sondern es war auch erstmals in der deutschen Journalismusgeschichte wirklich die Pressefreiheit gesichert. Doch es war nicht allein die Justiz, die hier der Presse zu ihrem Recht verhalf. Vorangegangen war ein regelrechter Aufstand der Zivilgesellschaft gegen den Zugriff der Politik auf die Medien, im konkreten Fall, auf den SPIEGEL. Tausende Menschen gingen auf die Straße und demonstrierten letztlich erfolgreich gegen die Verhaftungen beim SPIEGEL und die Besetzung der Redaktionsräume im Hamburger Pressehaus am Speersort 1962. Während Christina von Hodenberg (2006) die Einzigartigkeit der Affäre relativiert, möchte Hans-Ulrich Wehler (2013, S. 24) „den Charakter der SPIEGEL-Affäre als Unikat verteidigen.“ Letztlich ordnen beide, wie auch Münkel (2013), die Affäre ein in die historischen Zusammenhänge und weisen darauf hin, dass sich die kritische Öffentlichkeit in der Bundesrepublik bereits in den 1950er Jahren herausbildete. Hier muss sie schon deshalb so hervorgehoben werden, weil sie eben für den SPIEGEL so entscheidend war (Birkner & Mallek, 2020).
Sie werden vielleicht wissen, dass ich den Spiegel keineswegs immer für erfreulich gehalten habe, nichtsdestoweniger aber immer für notwendig. Jedoch hat mein Urteil über den Spiegel überhaupt nichts zu tun mit meiner persönlichen Hochachtung vor Ihrer jahrelangen Leistung als Publizist und meiner freundschaftlichen Gesinnung für Sie. Sofern ich im außerdienstlichen, persönlichen Bereich Ihnen derzeit irgendwie behilflich sein sollte, so lassen Sie es mich bitte wissen oder sagen Sie Ihrer Familie in Hamburg, dass sie sich jederzeit an mich wenden möge.
Es ist diese Einstellung zum Journalismus als ggf. unerfreuliche aber doch unbedingt notwendige Einrichtung der Demokratie, die damals noch nicht viele Politiker teilten (vgl. u.a. Birkner, 2016) und die heutzutage wieder in Vergessenheit zu geraten scheint. Unter dem Gefängnisfenster von Augstein hatten sich zuvor Demonstrierende versammelt und skandierten „Augstein raus – Strauß rein“, wie der Hamburger Zeithistoriker Axel Schildt (2013) dies in einem Sammelband zur SPIEGEL-Affäre aufgearbeitet hat. Sowieso ist die Affäre gut dokumentiert (Eschenburg, 1962) und aufgearbeitet (Doerry & Janssen, 2013). Es zeigt sich, dass sich der Protest in den Medien zunächst in der Lizenzpresse formierte und sich dann erst auf die Blätter der Altverleger (à Link zum Kapitel) ausweitete (Ellwein, Liebel, & Negt, 1966). Schließlich war es ein Kampf für die Pressefreiheit, über Mediengrenzen hinweg. Den multimedialen Widerstand organisierten auch die neuen politischen Fernsehmagazine wie Panorama und Report, so Christina von Hodenberg (2002). Sebastian Haffner etwa nannte die Polizeiaktion gegen den SPIEGEL in Panorama einen „kriegsähnlichen Überfall der Staatsgewalt auf missliche Staatsbürger, wie sie den Deutschen aus der nationalsozialistischen Zeit geläufig sind“ (Merseburger, 2009, S. 266). Und während die Journalistenverbände und auch Springers Bild-Zeitung zögerten, waren so unterschiedliche Printmedien wie Stern oder Quick schnell an der Seite des SPIEGEL (Hodenberg, 2002). Auch die ZEIT stand an der Seite ihrer Hamburger Konkurrenz, etwa in Person der Gräfin, Marion Dönhoff (à Dönhoff-Porträt), die während der Affäre ebenfalls zur Feder griff und den öffentlichen Aufruhr thematisierte (Dönhoff, 1962):
Gar nicht geschwiegen hat in den letzten Wochen die deutsche Öffentlichkeit. Noch nie gingen die Wogen staatsbürgerlicher Erregung bei uns so hoch wie jetzt während der Spiegel-Affäre. Noch nie wurden so viele protestierende Resolutionen verfaßt, so viele Diskussionen abgehalten
Doch die Solidarität der ZEIT ging über einen publizistischen Beistand hinaus. Sie half, wie auch der STERN, ganz praktisch. Der SPIEGEL bedankte sich am 7. November 1962 (Sie kamen in der Nacht, in: Der Spiegel, Nr. 45, 7. November 1962, S. 55 – 84, hier S. 78):
Verlag und Redaktion von ‚Zeit’ und ‚Stern’ nahmen tagelang die schwere Beeinträchtigung ihrer eigenen Arbeit in Kauf und liehen so viel Räume wie irgend möglich, stellten ihre Telephone zur Verfügung und, nicht zuletzt, ihr Kasino.
Der Verleger Gerd Bucerius (à Link zum Dönhoff-Porträt) sorgte dafür, dass „den Redakteuren des SPIEGEL die Räume von ZEIT und STERN zur Verfügung“ gestellt wurden (Dahrendorf, 2000, S. 170). Das führte dann dazu, dass in manchen Zimmern zwei Redakteure arbeiteten und einer „die Sonderausgabe des SPIEGEL“ vorbereitete und „der andere schrieb Artikel für die nächste Ausgabe der ZEIT“ (Janßen, von Kuenheim, & Sommer, 2006, S. 136). Währenddessen wies Bucerius in den Räumen des SPIEGEL „den ‚diensttuenden‘ Staatsanwalt auf die Rechte der Presse und der Öffentlichkeit“ hin, wie er sich selbst erinnert (Bucerius, 1976, S. 101).
Am 26. Oktober 1962 war die Bundespolizei in die Redaktionsräume des SPIEGEL eingedrungen. Der Augstein-Biograf Peter Merseburger (2009, S. 246) spricht von einem „martialischen Einmarsch von etwa 50 Polizeibeamten in der Nacht“. Augstein selbst war weder zu Hause noch in der Redaktion und stellte sich am nächsten Tag, Samstag, den 27. Oktober 1962, den Behörden. Der zuständige Hamburger Innensenator Helmut Schmidt wurde erst eine halbe Stunde vor dem Einsatz informiert und schrieb empört an den Bundesinnenminister Hermann Höcherl in Bonn:
Die Gefahr einer Einschränkung der Pressefreiheit ist nicht von der Hand zu weisen. Ich fühle mich dafür verantwortlich, daß hamburgische Beamte nicht zur Amtshilfe bei gesetzeswidrigen Amtshandlungen herangezogen werden.“ (Grosser & Seifert, 1966, S. 254)
Schmidt stand, das bemerkte auch der SPIEGEL am 14. November 1962 (Bundesländer – Hamburg – Rebellion im Norden, in: Der Spiegel, Nr. 46, 14. November 1962, S. 76 – 78) auf der Seite der Pressefreiheit: „Statt gegen den SPIEGEL setzte der Innensenator hamburgische Kriminalpolizisten auf Bundesbeamte an: Die Hamburger Kripo sollte untersuchen, ob Telefonleitungen überwacht und Ferngespräche blockiert würden.“
Die ganze Affäre ausgelöst hatte ein Artikel der SPIEGEL-Autoren Conrad Ahlers und Hans Schmelz zum Zustand der Bundeswehr: „Bedingt abwehrbereit“ (Hyperlink gesetzt) war die wenig schmeichelhafte Überschrift.
Diese Titelgeschichte aber war nur der vorläufige Höhepunkt einer sehr scharfen Auseinandersetzung des SPIEGEL mit Franz Josef Strauß in den Jahren zuvor. Günter Gaus bemerkt: „Strauß war in seiner Berserkerwut unbezahlbar für das Blatt.“ (Gaus, 2004, S. 286) Die Historikerin Christina von Hodenberg (2006, S. 328) spricht von einer „Kampagne“, der Augstein-Biograf Peter Merseburger nennt es sogar einen „Kreuzzug“ (Merseburger, 2009, S. 231) gegen Strauß, der zunehmend Adenauer als eigentlichen Gegner von Augstein, an welchem er sich zuvor abgearbeitet hatte, abgelöst hatte (Merseburger, 2009, S. 224). In einer Titelgeschichte über Strauß (Hyperlink gesetzt) am 5. April 1961 wird das sehr deutlich. Denn darin wird erklärt, was eine Demokratie ausmache:
Viele der hier aufgezählten, in angelsächsischen Ländern selbstverständlichen Merkmale sind unter der Herrschaft Kanzler Adenauers schon spürbar verkümmert. Die Achtung vor der Opposition, vor dem Bundestag, vor den Ministern, vor dem Bundesverfassungsgericht, vor den ordentlichen Gerichten, vor dem Staatsbürger und vor dem Menschen überhaupt ist vom Bundeskanzler all die Jahre lang klein geschrieben worden. Aber die Menschenverachtung des Bundeskanzlers wurde gemildert durch sein hohes Alter, durch die ihm angeborene Würde und durch sein tadelfreies persönliches Auftreten. Konrad Adenauer war die meiste Zeit seiner Regierung ein halbes Fabelwesen, seinem Wirken schien immer eine natürliche - freilich stark überdehnte - Grenze gesetzt. Welche Schranke aber wäre einem 45jährigen oder 50jährigen Bundeskanzler Strauß gezogen? Die deutsche Bevölkerung ist so sehr gewöhnt, den vom Herrgott verfügten Regierungswechsel als den einzig möglichen anzusehen, daß nur noch wenige Handgriffe nötig sind, um in der Bundesrepublik die Herrschaft eines permanenten Chefs zu installieren.
Strauß wurde zur personifizierten Gefahr für die Demokratie erklärt. Im Artikel heißt es: „Demokratie, das bedeutet: die Meinung des politischen Gegners achten.“ Und dann steht da über Strauß: „Strauß respektiert nicht die politische Meinung Andersdenkender.“ Und er delegitimierte, so zeigt der SPIEGEL mit Zitaten, die Biografien jener, die während der Zeit des Nationalsozialismus nicht in Deutschland waren, wie etwa bei Willy Brandt: „Wir müssen Herrn Brandt fragen dürfen: Was haben Sie zwölf Jahre lang draußen gemacht? Wir wissen, was wir drinnen gemacht haben.“ Und über „den früheren SPD-Pressechef Fritz Heine urteilte Strauß 1957 im Bonner Presseclub: ‚Einer jener Emigranten, die von London aus über BBC Deutschland geschadet haben und schuld daran sind, daß die Alliierten 1945 dem deutschen Volk mit Haß und Rachsucht begegnet sind.‘ Strauß wurde in dem Artikel diesbezüglich als „Nicht-Nationalsozialist“ mit „Nazi-Instinkten“ bezeichnet. Dabei war der SPIEGEL selbst nicht frei von einem nachlässigen Umgang mit dem Nationalsozialismus, sowohl gesamtgesellschaftlich als auch personell im eigenen Haus. Und das zeitigte zum Teil seltsame Folgen. So „war Augsteins Kampagne für die Wiedereinstellung kriminalistischer Fachleute mit SS-Dienstrang so erfolgreich gewesen, dass es Hauptsturmführer Theo Saevecke war, der im Verlauf der SPIEGEL-Affäre von 1962, die dem Magazin das Image des ‚Sturmgeschützes der Demokratie‘ verschaffte, an der Spitze der Sicherungsgruppe Bonn in dessen Büros eindrang.“ (Gutmair, 2022, vgl. Köhler, 2002)
WIE ALLES BEGANN
Die Zeit des Nationalsozialismus ist bis heute noch vielfache Referenz der Gegenwart, doch damals, gerade einmal eineinhalb Dekaden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, war sie unmittelbarer Bezugspunkt in der gesamten deutschen Gesellschaft, auch in Politik und Medien. Und der SPIEGEL selbst hatte auch zu jener Zeit, da er bei Franz Josef Strauß „Nazi-Instinkte“ diagnostizierte, sehr wohl selbst noch braune Flecken in der Redaktion. Vom SPIEGEL-Historiker Klaus Wiegrefe darauf angesprochen, erklärte der ehemalige Verlagsdirektor Hans Detlev Becker recht nüchtern, „Entnazifiziert war entnazifiziert“:
„Unsere Einstellung war: Wer entnazifiziert und als ‚nicht betroffen‘ eingestuft worden war oder als ‚Mitläufer‘, der war nicht verdächtig. Man hat das damals formal betrachtet: belastet oder nicht belastet. Ich sehe das heute anders. Heute würde ich sagen, wenn man alles Wissen über das ‚Dritte Reich‘ vollständig erfasst und sich fragt, wie hat das alles so laufen können, dann würde man doch sagen: Jemand, der sich dort hat einfangen lassen und mitgemacht hat, der muss nicht gerade hier beim SPIEGEL dabei sein, der kann woanders mitmachen.“
Es hatte zu Beginn durchaus einige mit stark nationalsozialistischer Biografie in den Reihen des SPIEGEL gegeben. So etwa „Horst Mahnke, der bis 1959 beim SPIEGEL arbeitete, auch als Ressortleiter“ und der in der Zeit des Nationalsozialismus beim „Nachrichtendienst in Himmlers Reichssicherheitshauptamt“ war (Wiegrefe, 2007). Die Figur Mahnke ist gut erforscht, auch seine Rolle im Nationalsozialismus beim „Gegnerforscher“ Franz Alfred Six (Hachmeister, 1998; vgl. auch Schildt, 2020, S. 66) und ihre gemeinsamen Netzwerke (Hoeres, 2010, S 695), die sich eben auch beim SPIEGEL fortsetzten, aber natürlich nicht nur dort: „Der Neubeginn der Presse vollzog sich weitgehend mit dem vorhandenen Personal“ (Schildt, 2020, S. 66 Link zum Kapitel). Beim SPIEGEL, wie auch insgesamt im westdeutschen Journalismus, arbeiteten also auch nach dem Umzug „aus der hannöverschen Provinz in die Medienstadt Hamburg […] wo Axel Springer und Henri Nannen ihre Bühnen hatten“, noch zahlreiche Journalisten, die auch bereits in der Zeit des Nationalsozialismus tätig gewesen waren und die ordentlich Karriere unter dem Regime macht hatten. Und auch Inhalt und Ton hingen noch in der Vergangenheit, nicht etwa in der Zukunft. Harsche Kritik an den Alliierten war oft gepaart mit einer martialischen Sprache aus dem Krieg. An der Wiege des SPIEGEL aber standen immerhin neben Augstein „drei britische Besatzungsoffiziere“ (Doerry & Janssen, 2026, S. 9), darunter die Holocaust-Überlebenden Henry Ormond und Harry Bohrer „ohne die der SPIEGEL nie entstanden wäre“ (Doerry & Janssen, 2026, S. 180). Der dritte im Bunde war der Presseoffizier John Chaloner, der die Idee für das Magazin Die Woche hatte und mit seiner deutschen Sekretärin Hildegard Neef, entwickelte. Was nun erst durch das Buch von Martin Doerry und Hauke Janssen an Licht geholt wird: „Hans Detlev Becker bezeichnete sie 1965 in einer internen Hausmitteilung sogar als die ‚journalistische Gründerin des SPIEGEL‘.“ (Doerry & Janssen, 2026, S. 123), obwohl das Magazin zunächst DIE WOCHE hieß.
Bezüglich der ersten Jahre des deutschen Journalismus nach 1945 sprechen wir auch von „Nachhilfeunterricht“ (Weischenberg, 2004, S. 123) insbesondere durch britische und amerikanische Presseoffiziere, für die diese Form der Medienpolitik „ein zentraler Aspekt jeder Besatzungspolitik“ war (Frei & Schmitz, 1999, S. 182). Beim SPIEGEL sah das ganz konkret so aus, dass Chefredakteur Harry Bohrer zunächst einmal verlangt hatte, dass das neue Blatt „berichtet, statt zu kommentieren“ (Doerry & Janssen, 2026, S. 136). Er hatte den „Woche-Mitarbeitern zu Trainingszwecken Zeitungs- und Agenturmeldungen hin[legte], die sie ausschlachten und neu schreiben sollten, allerdings nicht wie seriöse Berichte oder Kommentare, sondern als ‚Stories‘. Und immer sollten die ‚Wünsche, Ambitionen und Schwächen“ einzelner Menschen im Mittelpunkt stehen. Gerade die älteren Kollegen taten sich zunächst schwer mit diesen Vorgaben. Nächtelang redigierte Bohrer ihre Beiträge. Nur die jüngeren – und hier vor allem Augstein – erwiesen sich schnell als gelehrige Schüler.“ (Doerry & Janssen, 2026, S. 126-127)
Augstein war da noch Leiter des Deutschlandressorts und führte das journalistische Training dann als Chefredakteur fort, als er Die Woche bereits in SPIEGEL umbenannt hatte. So erinnert sich jedenfalls Leo Brawand (1987, S. 51) als Mann der ersten Stunde: „‚Time‘ und ‚News Review‘-Exemplare lagen als Anschauungsmaterial auf den Tischen; alle als vorbildlich erachteten Artikel wurden ins Deutsche übertragen und auf die Konstruktionsmerkmale der angloamerikanischen ‚Story‘, vor allem auf die knappe, saloppe Sprache hin diskutiert.“
Die Regeln fürs Schreiben beim SPIEGEL wurde 1949 festgehalten im bereits weiter oben zur Relotius-Affäre zitierten Spiegel-Statut. Darin heißt es gleich zu Beginn:
Der SPIEGEL ist ein Nachrichten-(Neuigkeiten-) Magazin. Darum muss der SPIEGEL 1.) aktuell sein, 2.) einen hohen Nachrichten- (Neuigkeits-) Gehalt haben. Dabei muss er andere, d. h. persönlichere, intimere, hintergründigere Nachrichten (Neuigkeiten) mitteilen und verarbeiten, als sie die Tagespresse darbietet, 3.) interessant sein.







Augstein konnte immerhin bereits auf knapp zwei Jahre Journalismus zurückblicken, „erst als ‚Schriftleiter in Ausbildung‘ im Dritten Reich, später als Redakteur eines Nachrichtenblatts in der britischen Militärregierung“ (Merseburger, 2009, S. 92). Als er sich zum Ende des Jahres 1947 an „die lieben SPIEGEL-Leser“ wendet (vgl. Jaene, 1968, S. 25) blickt er auf den Anfang zurück: Als sich vor einem Jahr etliche Journalisten, englische und deutsche, an etlichen geliehenen Bürotischen in der Absicht versammelten, eine Wochenzeitung herauszugeben, die eine möglichst große und möglichst verschiedenschichtige Anzahl Menschen interessieren sollte, waren sie voll der besten Absichten..“ Da gab es den SPIEGEL bereits fast ein Jahr. Am 4. Januar 1947 war die erste Ausgabe erschienen.
